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#31 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Lidsi 11.02.2009 22:49

Natürlich poste ich dir meinen Kommi hier auch noch einmal, mein liebes Kattilein!

.....Du lässt mich also weiter spekulieren.


Nun ja, nachdem es ja meine Vermutung wäre, dass die beiden Geschwister sein könnten, weiß ich nicht, ob ich mich gerade darüber freuen soll, dass die beiden rumknutschen ....ja, ich weiß...darauf gehst du bestimmt nicht ein.



Dann guck ich mal weiter in Richtung Tantchen Janet, welche sich ja wahnsinnig einfühlsam über Hadiya auslässt. Sie kann es wohl einfach nicht lassen. Aber ich denke nicht, dass das sehr sympatisch rüberkommt bei Kunami, wenn Janet so über ihre Mutter spricht.

Auch, wenn die Mutter Fehler macht, sie ist eben Kunamis Mutter und ich glaube nicht, dass es für das Mädchen angenehm zu hören ist, dass ihre Mutter kein Rückgrat hat....


Ich freue mich schon sehr auf deine nächste FS, bin auch schon sehr gespannt, ob wenigstens alles reibungslos auf der Geburtstagsparty abläuft. Aber irgendwie stelle ich mich bereits auf die nächste Überraschung ein.


GLG Lidsi

#32 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Musicalkatjes 13.02.2009 22:18

@ UserGab637: freut mich das du miträtselst und noch mehr freu ich mich auf deine nächsten Vermutungen ... freu mich riesig auf dein nächstes Kommi. *freu freu* Danke!


@ Lidsi: Ja, bin ganz fies und gemein und lass ALLE weiter spekulieren und rätseln. Überraschung... Geburtstagsparty... ja könnte eine geben oder auch nicht ... mal sehen was mir da noch kreatives einfällt. Ich bin jedenfalls begeistert wie du immer wieder mitfieberst DANKE *KNUDDEL*

29.


... ein Knistern und Zischen und wenn Blicke töten könnten, fielen sie gleich beide um. „Hadiya, ich werde mit deiner Tochter jetzt kochen, ob es dir passt oder nicht. Oder willst du sie jetzt vor der ganzen Schule blamieren?“, zischte Janet und wollte erneut den Kühlschrank öffnen. „Stop, ich bin noch nicht fertig mit dir, Janet Evans. Hör auf, dich in Dinge einzumischen, die dich überhaupt nichts angehen.“, fauchte meine Mutter und ihre Augen erinnerten mich schlagartig an die einer Königskobra. Janet drehte sich wieder um und giftete meiner Mutter zu: „Kunamis Wurzeln sind und bleiben afrikanisch. Wird Zeit, dass sie was davon mitbekommt.“



Ich holte tief Luft. Hatte Janet tatsächlich recht und würde meine Mutter es jetzt zugeben? „Kunami ist hier aufgewachsen und lebt nach deutschen Traditionen, akzeptiere es, Janet.“ Ihre Stimme wurde leiser, aber ihre Augen blitzten noch giftiger als zuvor schon. „Das ich nicht lache, Hadiya. Sie hat ja noch nicht mal die Wahl. Woher weißt du, dass es sie nicht doch mal nach Afrika zieht!“ Provozierend sah Janet zu meiner Mutter rüber. In meiner Mutter kochte es und ich ahnte, dass Janet noch eine gewaltige Ladung Lava kassieren würde. „Was um Himmelswillen soll Kunami in Afrika! Menschen beim Sterben zugucken? Entweder hauen sie sich gegenseitig die Köpfe ein oder verhungern. Meine Tochter lebt HIER und wird hier auch immer leben. Hier hat sie die Chancen, die sie in Afrika NIE hätte. Hier stehen ihr alle Türen OFFEN. Und wag es nicht, ihr einzureden, dass es in Afrika ein romantisches Miteinander, mit einer herrlichen Landschaft und eine Wunderwelt der Tierrassen ist.“



„Du kannst doch aber nicht immer Afrika von der Landkarte streichen!“, protestierte Janet und stemmte die Fäuste in ihre Hüften. „Bis ihr beiden hier aufgekreuzt seid, gab es in diesem Haus kein Afrika. Du siehst also, wie einfach das ist.“ Janets Augen wurden immer kleiner und ihr Blick immer bedrohlicher. Sie schienen ganz zu vergessen, dass ich immer noch am Kühlschrank stand. Und ich rührte mich nicht vom Fleck. „Ja, ganz einfach, Hadiya. Meinst du nicht, dass Bryan seinen Bruder vermisst? Meinst du, Rick lässt es kalt, dass er ihn so wenig sieht? Merkst du nicht, wie du der ganzen Familie immer mehr die Luft abschnürst?“



„Janet, ich warne dich, treib es nicht zu weit. Bryan und Rick haben immer Kontakt und so wird es immer bleiben. Ihr habt euch entschieden dort zu leben, NICHT WIR! Werdet glücklich, aber lass meine Familie in Ruhe!“ „Hadiya, ich gebe dir einen guten Rat. Sag Kunami endlich die Wahrheit, denn mit deinen Lügereien fällst du bald bitterlich auf die Schnauze. Das schwöre ich dir...“



Mir drehte sich der Kopf. Ich musste hier raus. Es ging die ganze Zeit also immer nur um mich. Ich war also in Afrika geboren. Warum um Himmelswillen durfte ich das nicht wissen. Und was steckte da noch dahinter? > Janets Satz schwirrte mir immer wieder im Kopf herum. Ich brauchte frische Luft. Ich rannte an meinem Vater vorbei, Richtung Haustür. Mein Vater stellte die Einkaufstüte im Flur ab. Er sagte etwas zu mir, aber ich verstand nicht, was er sagte, ich rannte stur an ihm vorbei. Mein Kopf war kurz vor dem Zerspringen. Reingehen würde ich so schnell nicht wieder, das war sicher. Ich hörte sie immer noch durch die geschlossenen Fenster sich ankeifen, wie die Hyänen. Mein Vater rannte in die Küche und stauchte sie zusammen, dass beide sogleich verstummten.



Während mein Vater die Streithühner wieder auf den Teppich brachte, rief ich bei Karina an. Ich brauchte einen Tapetenwechsel bevor ich ganz den Verstand verlor. Erst jetzt schienen Janet und meine Mutter zu verstehen, dass ich alles mitbekommen hatte. Janet war es ganz recht und sie stand entspannt und locker in der Küche. Meine Mutter aber, wie zu Eis erstarrt. Ich machte mich auf den Weg zu Karina, aber ich kam vorerst nur ein paar Meter, da standen auch schon meine Mutter und mein Vater vor mir.



„Bleib bitte stehen!“ Mein Vater hatte seine ernste Mine noch nicht abgelegt. „Wo willst du denn hin?“, fragte meine Mutter, die offensichtlich ihre Stimme wieder gefunden hatte. „Zu Karina, ich brauche dringend einen Tapetenwechsel. Es sei denn, du willst mir erklären was Janet mit >> Sag Kunami endlich die Wahrheit, denn mit deinen Lügereien fällst du bald bitterlich auf die Schnauze.>> gemeint hat.“ Stille ... war ja klar. Wie konnte ich auch davon ausgehen, dass sich etwas tat. Mein Vater nickte meiner Mutter immer wieder zu. Sie sollte mir etwas sagen, doch sie blieb stumm. „Karina wartet auf mich. Wir sehen uns zum Abendbrot. In der Zeit kannst du weiter streiten und allen anderen vorgeben, was sie mir sagen dürfen und was nicht. Oder, mach ihnen eine Liste, ist einfacher.“ „Kunami...“ „Was!“, fuhr ich meinen Vater mitten hinein „Ist doch wahr! Ich komme mir so veräppelt vor... Ach ist doch egal, bis nachher.“

Mir war es egal, was jetzt zu Hause ablief. Mir war aber auch klar, dass es mein Glück war, dass Rick nicht zu Hause war. Er schien der einzige zu sein, der Janet bremsen konnte. Doch konnte ich jetzt auch sicher sein, dass er sie nie wieder mit mir alleine zu Hause lassen würde.



Bei Karina angekommen, fiel ich meiner besten Freundin förmlich in die Arme. Ich konnte nicht aufhören, ihr von dem Gespräch mit Janet und dem anschließenden Streit zu erzählen. Ich war wütend, dass meine Mutter auch jetzt immer noch schwieg. „Karina, du hättest die beiden sehen sollen. Der Blick von meiner Mutter ... Karina, das ist nicht nur ein > das ist purer Hass.“ „Das muss einen anderen Ursprung haben, Kunami. Bloßes ich liebe Afrika, kann es doch nicht sein.“ „Was, wenn doch? Ich bin völlig durcheinander.“ Karina guckte mich mitfühlend an. Was sollte sie auch anderes machen. „Trotzdem muss es einen Grund geben, warum deine Mutter so gegen alles Afrikanische ist.“ Sie griff zum Handy. „Wen willst du anrufen?“ „Enyama. 1. dir geht es mies und 2., wenn dir einer noch den Kopf aus der Schlinge ziehen kann, dann er.“ Welche Schlinge?“ Sie guckte mich mit großen Augen an. „Ich sage nur afrikanisches Essen! Unsere Lehrerin rechnet fest damit.“ Es traf mich jetzt auch wie ein Blitz. Zurück konnte ich nun nicht mehr.

Es dauerte keine 30 Minuten, da stand Enyama auch schon vor Karinas Wohnungstür. Bepackt mit Einkaufstüten. „Wow, was hast du alles mitgebracht?“, hörte ich Karina sagen, die Enyama gleich die Tüten abnahm und in die Küche brachte. „Alles nur leckeres Zeug. Wo ist Kunami?“ „In meinem Zimmer. Entdeckst du das pinke Wunderland, dann bist du goldrichtig. Ich packe die Tüten schon mal aus. Ach so und Vorsicht, mein Tiger streift hier herum, also nicht erschrecken.“ Es dauerte nicht lange, da stand auch schon Enyama im Türrahmen. Als er mich auf dem Boden sitzen sah, zog er mich gleich hoch und gab mir einen Kuss. „Bereit für Enyamas Pfeffersuppe, Bananenkuchen und Erdnuss-Suppe aus Nigeria?“ Ich nickte. Klar wollte er auch wissen, was zu Hause vorgefallen war. Meine Wut bekam aber diesmal der Bananenkuchenteig beim Kneten ab. Als ich zu Ende berichtet hatte, schüttelte Enyama nur den Kopf und Karina fügte hinzu: „Die spinnen da alle völlig. Wird immer schlimmer.“ „Ja, ich merke schon, ich muss meinen Schatz im Auge behalten. Was, wenn das abfärbt?“ „Sehr witzig...“ brummte ich und bekam auch schon gleich einen Kuss.



Spätnachmittags zogen wir die letzten Bananenkuchen aus dem Ofen. Die Suppen waren im Kühlschrank gut aufgehoben und Enyama kam noch pünktlich ins Jugendzentrum. Eine gute Nachricht hatte er aber noch für mich. Ich konnte meinen Geburtstag bei Fayes Eltern im Kleingarten feiern.

#33 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Lidsi 15.02.2009 14:02

Zitat von Musicalkatjes


@ Lidsi: Ja, bin ganz fies und gemein und lass ALLE weiter spekulieren und rätseln. Überraschung... Geburtstagsparty... ja könnte eine geben oder auch nicht ... mal sehen was mir da noch kreatives einfällt. Ich bin jedenfalls begeistert wie du immer wieder mitfieberst DANKE KNUDDEL



Ja, ja! Genauso hab ich es mir gedacht. Bloß nichts verraten. Rätseln mach eh mehr Spaß.

Zitat von Musicalkatjes

Hör auf, dich in Dinge einzumischen, die dich überhaupt nichts angehen.“, fauchte meine Mutter ….



Auch wenn ich es nicht okay finde, dass sie als Mutter ihre eigene Tochter nicht aufklärt, bin ich voll Hadiyas Meinung. Janet mischt sich massiv ein, noch dazu auf eine sehr unhöfliche Art und Weise. Meiner Meinung nach vergreift sich die Gute sehr oft im Ton!


Zitat von Musicalkatjes
„Kunamis Wurzeln sind und bleiben afrikanisch. Wird Zeit, dass sie was davon mitbekommt.“



Nochmal! Es ist weder Janets Aufgabe Kunami aufzuklären, noch sie zu erziehen.
Und ich denke da jetzt mal an meine Kids. ICH erziehe meine Kinder und das mache ich so, wie ICH es für richtig halte. Mit Sicherheit würde ich es genauso wenig dulden, dass sich Außenstehende da einmischen. Familie hin oder her. Man kann gerne seine Meinung vorbringen, das hätte Janet aber in aller Ruhe und vor allem allein mit Hadiya klären müssen.



Zitat von Musicalkatjes

„Was um Himmelswillen soll Kunami in Afrika! Menschen beim Sterben zugucken? Entweder hauen sie sich gegenseitig die Köpfe ein oder verhungern.



Okay, dazu nur kurz: Nicht überall auf dem Kontinent verhungern die Menschen und nicht überall schlägt man sich die Köpfe ein oder befindet sich im Krieg oder Bürgerkrieg.


Zitat von Musicalkatjes
Meine Tochter lebt HIER und wird hier auch immer leben. Hier hat sie die Chancen, die sie in Afrika NIE hätte. Hier stehen ihr alle Türen OFFEN.



Irrtum, Hadiya! Das ist wohl Kunamis Entscheidung, wenn sie volljährig ist und, wenn sie sich entscheidet nach China oder Mexiko auszuwandern, wird es auch niemand ändern können.

Zitat von Musicalkatjes
Und wag es nicht, ihr einzureden, dass es in Afrika ein romantisches Miteinander, mit einer herrlichen Landschaft und eine Wunderwelt der Tierrassen ist.“




Romantisch? Keine Ahnung, liegt im Auge des einzelnen Betrachters und vor allem darauf an, wie man es betrachtet. Als Einheimischer, als Tourist, als jemand, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, anderen zu helfen……

Aber unbestritten… eine herrliche Fauna und Flora!!

Zitat von Musicalkatjes

Mir drehte sich der Kopf. Ich musste hier raus. Es ging die ganze Zeit also immer nur um mich. Ich war also in Afrika geboren. Warum um Himmelswillen durfte ich das nicht wissen. Und was steckte da noch dahinter? > Janets Satz schwirrte mir immer wieder im Kopf herum.



Klar, dass sich Kunami so elend fühlt. Wir wissen zwar noch immer nichts über die Beweggründe, warum die halbe Familie inkl. Großvater (!!!) in D lebt, aber sicher ist eines, dass man gewisse Dinge schonend auch Kleinkindern beibringen kann, dann empfinden sie Gewisses als eben normal und gegeben und werden dann nicht in der Pubertät oder noch später das üble Gefühl haben, das „ganze Leben lang“ gemein belogen und betrogen worden zu sein. Ich selbst kenne 3 gute Beispiele dafür. Eine Pflegemutter, die neben ihren 3 leiblichen Kindern noch 15 Pflegekinder im Laufe der Jahre groß gezogen hat, die alle miteinander gut erzogen sind und ihre Pflegfamilie so lieben, als wäre es die eigene. Und auf der anderen Seite 2 Familien, wo in beiden Fällen das erste Kind einen Adoptivvater hatte. Das Mädchen erfuhr es mit 12 und bei der anderen Familie erfuhr es der Sohn erst mit 18, dass er adoptiert wurde. Beide Familien sind mittlerweile zerbrochen, weil für die Kids ihre bis dato heile Welt "zerstört" wurde und es ab da nur noch ganz üble Streitigkeiten gab. Heute sind alle zerstritten, die Eltern sogar geschieden …..und ….egal gehört nicht wirklich zur FS.

Zitat von Musicalkatjes

„In der Zeit kannst du weiter streiten und allen anderen vorgeben, was sie mir sagen dürfen und was nicht. Oder, mach ihnen eine Liste, ist einfacher.“ „Kunami...“ „Was!“, fuhr ich meinen Vater mitten hinein „Ist doch wahr! Ich komme mir so veräppelt vor... Ach ist doch egal, bis nachher.“



Und genau so beginnt es, dass ein an sich liebevolles, braves Mädchen aufsässig, frech, wütend und einfach nur von allem und jedem enttäuscht ist. Finde ich doch sehr traurig! Denn es hätte sich alles, wie gesagt ganz anders entwickeln können, wenn Hadiya schon früher angefangen hätte, ihr Kind über dieses und jenes aufzuklären.

Zitat von Musicalkatjes

Spätnachmittags zogen wir die letzten Bananenkuchen aus dem Ofen. Die Suppen waren im Kühlschrank gut aufgehoben und Enyama kam noch pünktlich ins Jugendzentrum. Eine gute Nachricht hatte er aber noch für mich. Ich konnte meinen Geburtstag bei Fayes Eltern im Kleingarten feiern.




Ein Gück, dass sich Kunami wenigstens auf ihre Freunde verlassen kann!



War wieder eine aufregende FS und ich freue mich schon sehr auf das nächste Kapitel!

GLG Lidsi

#34 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Musicalkatjes 23.03.2009 12:25

@ Lidsi: bin ich ja froh das wir einer Meinung sind. Rätseln macht mehr Spaß *grins*

Zitat
Lidsi: War wieder eine aufregende FS und ich freue mich schon sehr auf das nächste Kapitel!



Ich mich auch auf dein nächstes Kommi

30.


„Was schwirrt dir wieder im Kopf rum?“ Karina riss mich aus meinen Gedanken und ich zuckte mit den Schultern. „Weiß auch nicht. Hab das Gefühl, ich kriege ES nie raus. War ja auch blöd einfach aus der Küche zu rennen. Vielleicht wäre Janet noch viel mehr rausgerutscht. Aber bei mir ist heute was ausgeklinkt. Wollte einfach nur raus. Karina, was wenn ich ES nie rausbekomme?“ „Du liebe Güte. Wenn einer den längsten Atem hat von uns, dann DU. Mach dich doch nicht selber klein. Na und? Hast du eben mal einen schwachen Moment gehabt. Beißt du dich halt beim nächsten Mal umso energischer fest.“ Sie klopfte mir auf die Schulter und lachte mich an. Schlagartig musste ich mitlachen. Woher nahm sie bloß immer diesen Optimismus? Chopin, ihr gefährlicher Schmusetiger, startete auch wieder einen neuen Kuschelangriff. Keine Chance der Attacke zu entkommen. Ehe ich mich versah, lag er auch schon schnurrend auf meinem Schoß.



Die Gespräche mit Karina taten mir gut und die Zeit verging wie im Flug, doch es wurde Zeit nach Haus zu gehen. Ich hatte keine Lust, aber bummelte trotzdem langsam nach Hause. Doch leider kommt man trotzdem irgendwann an. Als ich die Haustür aufschloss, schnürte es mir gleich wieder den Magen zu. Lautes Stimmengewirr aus dem Esszimmer. Wieder ein Streit? Ich konnte nichts Genaues verstehen. Ich hatte meinen Eltern gesagt, ich sei zum Abendbrot zurück, also musste ich mich wenigstens zurückmelden. Vor der Esszimmertür blieb ich stehen. Mein Opa war sehr aufgebracht...

„... ihr seid erst ein paar Tage hier. Verdammt noch mal, es ist kein einziger Tag davon vergangen, wo es nicht zwischen Hadiya und Janet Streit gegeben hat. Wie soll das weitergehen? Das HEUTE war ja wohl die Spitze des Eisbergs, wenn ihr so die Fassung vor Kunami verliert. Das arme Mädel wusste sich nicht anders zu helfen, als zu einer Freundin zu verschwinden.“ „Braucht ja bloß bei der Wahrheit zu bleiben.“, brummte Janet. „Du brauchst einfach nur mal deine Klappe halten.“, zischte meine Mutter zurück. „Geht das SCHON WIEDER los? Habt ihr es immer noch nicht kapiert?“ Mein Opa wurde noch lauter und so wütend wurde er echt selten. Mich beunruhigte es, was wenn er jetzt auch kurz vor dem Durchdrehen war? „Seit Tagen gequirlte Scheiße hier.“ „Vater...“ „Nichts Vater! Bryan, hier scheint keiner auch nur im Ansatz verstanden zu haben, was ich sagen wollte. Dann muss ich mich eben deutlicher ausdrücken. Gequirlte Scheiße, jawohl! Warum muss das alles vor Kunami ausgetragen werden? Nehmt euch Boxhandschuhe und steigt in den Ring. Das wäre eine faire Methode. Tragt das da aus und der Stärkere siegt.“ Ich hörte ein Kichern. „Und ich weiß auch schon, wer das ist.“ Was machte Shanice hier?



„Ich finde das nicht witzig!“, zischte mein Opa und haute mit der Faust auf den Tisch. Eins musste man ihm lassen, keiner sagte mehr etwas. Dummerweise bekam ich eine SMS und im selben Moment hörte ich schon meinen Opa rufen: „Die Familie ist komplett. Kunami, komm rein! Was ich zu sagen habe, kannst du ruhig mitbekommen.“ Also ging ich hinein. Das Gesicht von meinem Opa erhellte sich etwas, als er mich sah. Die ganze Familie saß am Tisch, nur mein Opa stand als Oberhaupt am Kopf des Tisches. Meine Mutter und Janet ließen sich nicht aus den Augen. Ich setzte mich zwischen meine Eltern und verstand immer noch nicht, was hier jetzt wieder passierte.

„Ich hab euch zu dieser Familienversammlung gerufen, denn ich sehe nicht mehr ein, dass in meinem Haus so eine Stimmung herrscht. Hier kann man sich ja nicht mehr frei bewegen. Man muss immer damit rechnen, dass ihr beiden euch an die Kehle springt. Ich hab die Faxen dicke! Verstanden? Entweder ihr kommt miteinander klar und könnt euch wie zivilisierte Menschen benehmen oder ich setze euch alle an die Luft!!!“ „Reagierst du da nicht ein bisschen über?“, fragte Shanice. „Nein, ich denke nicht. Und wer denkt, Kunami hat nicht längst mitbekommen, was hier abgeht, glaubt wohl noch an den Osterhasen.“ Alles guckte auf mich. Ich blieb cool. Pokern Kunami, sollen sie ruhig rätseln.



Meinen Opa jedenfalls amüsierte es. Sein Grinsen wurde immer breiter, als er merkte, dass alle Aushorchversuche von Rick und meiner Mutter scheiterten. Ich schwieg einfach und lächelte brav. Warum sollte ich es ihnen einfach machen? Ihnen Material liefern, damit sie alles weitere noch besser verschleiern konnten? Nicht mit Evans, Kunami Evans! Die 008 der Agentenriege, die Verfolgung hatte ich schon aufgenommen, um die Wahrheit ans Licht zu holen. Denn sie kommt immer ans Licht, auch wenn man oft tief danach buddeln muss. Viel Ausdauer hatten sie aber nicht, denn sie schmissen nach 10 Minuten das Handtuch. Schade, denn ich fing gerade an es zu genießen. Das Abendessen fand fast schweigend statt. Die Runde löste sich leider in Rekordzeit auf. Mein Opa genoss die Ruhe im Haus bei einer Pfeife im Wohnzimmer, meine Mutter zog sich ins Schlafzimmer zurück, Shanice, Janet und Rick machten einen Spaziergang, mein Vater blieb erst unten im Wohnzimmer und folgte dann doch meiner Mutter ins Schlafzimmer. Ich ging, nachdem ich mit der Spülmaschine fertig war, nach oben. Meine Eltern unterhielten sich lautstark im Schlafzimmer. Man bekam es mit, auch wenn man nicht lauschen wollte...

„... oh nein, dein Vater blufft nie. Der meint das ernst.“ „Schatz, ein Grund mehr die Nerven zu behalten. Warum lässt du Janet nicht einfach auflaufen?“ „Wie soll ich das denn machen? Und wer sagt dir, dass sie Kunami nicht noch mehr um die Ohren haut? Kann sie ja nicht den ganzen Tag an die Hand nehmen und bewachen!“ „Verflixt noch mal! Hadiya, es wäre so einfach. Sag es ihr endlich!“ „Auf keinen Fall...“, ich hörte wie sie laut aufstöhnte. „Geht’s wieder los? Leg dich schnell hin, ich hole dir eine Tablette. Meinst du nicht wir sollten den Arzt anrufen?“ „Der sagt doch eh immer das Gleiche...“

Wenn ich doch nur wüsste, was sie hatte?! Mein Vater machte sich auf jeden Fall große Sorgen, das konnte ich an seiner Stimme hören. Ich huschte in mein Zimmer, nahm Cara auf den Arm und kuschelte mit ihr. Während ich Cara hinter den Ohren kraulte, dachte ich noch einmal über die Tabletten nach, die ich im Bad gefunden hatte. Kam aber kein Stück weiter. Dieser Sommer hatte es echt in sich. Noch vor einigen Wochen sah meine Welt ganz anders aus. Unter meinem Bett hatte ich einen Block versteckt, dort hatte ich alle Infos aufgeschrieben, die ich herausgefunden hatte. Ich holte ihn hervor und ergänzte die Liste. Las immer und immer wieder das vorher Aufgeschriebene. Was genau war damals in Afrika passiert? Warum nahm meine Mutter diese starken Schmerzmittel? Warum deckten fast alle das Geheimnis meiner Mutter? Warum sprang gerade Janet ihr in den Rücken? Was hatte ich genau in diesem Spiel für eine Rolle?

Morgen war der große Tag. Das hieß früh ins Bett hüpfen, denn Jonas, Fabian und ich wollten früher in der Schule sein. Karina und ihre Mutter brachten die Suppen und den Bananenkuchen mit dem Auto zur Schule. Zu viert ging es schneller mit dem Ausladen, denn Karinas Mutter musste schnell weiter zur Arbeit.



Wir halfen beim Aufbau der Stände, probten Teile des Tanzprogramms noch einmal durch und Jonas prüfte noch mal die Einstellung der Lautsprecher und der Scheinwerfer. Meine Lehrerin war begeistert von den Suppen und dem Kuchen. Wenn sie wüsste, was für ein Chaos dahinter gesteckt hatte...
Es ging los, die ersten Besucher kamen und das Schulfest war ein großer Erfolg. Das Buffet kam gut an, die Spiel- und Spaßaktionen waren immer gut besucht und kein einziger Sitzplatz blieb bei unserem Tanzspektakel leer. Die letzten zufriedenen Besucher verließen in den frühen Abendstunden das Schulgelände. Zeit, mit allen Beteiligten auf das gelungene Projekt anzustoßen. Unsere Lehrer spendierten Sekt mit Orangensaft gemischt. Unsere Klasse hatte sich für Karina auch eine Kleinigkeit ausgedacht. Schließlich hatte sie den Löwenanteil mit der Choreographie aufgehalst bekommen. Karina war eine Naschkatze. Alle hatten zusammengeworfen und Julia hatte davon eine wunderschöne rosa Glasschale besorgt und sie randvoll mit Weingummi gefüllt. Nach den Aufräumarbeiten ging es aber auch für uns nach Hause. Jonas Vater holte uns ab. Töpfe und Kuchenplatten verschwanden im Kofferraum und Karina hielt stolz und strahlend, während der Fahrt, ihre Naschkatzenschale fest. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich schon was Süßes rausangeln oder das Gesamtkunstwerk unberührt nach Hause bringen sollte. Jonas Vater war aber schneller. Sie war zu Hause, bevor sie doch noch in Versuchung kam, etwas zu naschen.

Zu Hause musste ich natürlich ausführlich berichten. Ich war ganz froh, dass keiner meiner Familie zum Fest gekommen war. Janet konnte es sich nicht verkneifen nach dem Buffet zu fragen. Sie waren alle erstaunt, dass es nun doch afrikanisches Essen gab. Ich habe mächtig geflunkert und behauptet, Karina und ich hätten Rezepte im Internet gefunden. Ich wollte Enyama raushalten. Wozu Öl ins Feuer kippen. Meine Familie log mich an. Warum sollte ich dann alles erzählen? Wenn ich es erzählt hätte, wäre meine Mutter sowieso durchgedreht.

Der Freitag war dann wieder ein normaler Schultag. In der ersten Stunde reflektierten wir die Projekttage. Letztendlich hatte doch jeder einen riesigen Spaß an der Sache gehabt. Mathe, Deutsch, Bio... der Alltag hatte uns wieder und auf Mathe hätte ich echt verzichten können. Nach vielen Rauchzeichen und einigen klugen Sprüchen von Jonas, kam mir die Erkenntnis, dass ich einfach zu blöd für Mathe war. Wenn ich das nächste Schuljahr überleben wollte, kam ich um Nachhilfestunden bei Jonas nicht drum rum. Nach der Schule fuhr ich gleich zu Shanice. Zu meinem Erstaunen war sie aber nicht alleine. Pascal war auch da. Er hatte sich ja, nach der Modenschau, bei mir nach meiner Tante erkundigt.



Es stellte sich bald raus, dass die beiden schon einige Zeit zusammen waren. Pascal war überraschend zwischen zwei Modeljobs bei Shanice reingeschneit. „...war einfach zu köstlich ihr Gesichtsausdruck gestern Abend.“, lachte Pascal. „Na hör mal, da kommst du nichts ahnend nach Hause gefahren und dann sitzt er vor deiner Haustür. Sonst ruft er immer kurz durch.“ „Wäre sonst ja keine Überraschung mehr.“, protestierte Pascal. „Stimmt.“, gab Shanice zu, „aber ich wäre dann nicht so lange bei meiner Verwandtschaft geblieben.“ „War doch trotzdem ein schöner Abend.“ Das Telefon klingelte und Shanice verließ den Balkon. „Wann musst du wieder los und wo ist dein nächster Job?“ „Heute Nachmittag schon. Ich habe morgen früh ein Shooting für einen Modekatalog in Hannover. Deine Tante bringt mich nachher zum Flughafen.“ Wo war Pascal wohl geboren? Vielleicht wusste er etwas über Afrika. Aber einfach fragen ... aber warum auch nicht...



„Klingt vielleicht blöd, aber darf ich dich fragen, wo du geboren wurdest?“, ein Glück, war Pascal ein lockerer Typ. „London.“ Ich musste ein enttäuschtes Gesicht gemacht haben. „Nicht gut? Woher dachtest du, dass ich herkomme?“ Oh weh, wie redete ich mich da jetzt wieder raus. Selber Schuld, also wieder flunkern. „Ich dachte, du kommst vielleicht aus Afrika. Wir müssen ein Referat für Erdkunde schreiben. War nur so eine Idee, also doch Bücher wälzen.“ Pascal musste lachen, “nicht jeder mit dunkler Hautfarbe kommt aus Afrika.“ „Ich weiß, ein Versuch war es aber wert.“ Shanice überraschte uns mit Sandwiches, zum Kochen blieb keine Zeit mehr. Pascal würde sonst den Flieger verpassen. Wir nahmen uns aber vor heute Abend etwas zu kochen. „Kunami, ich bringe Pascal jetzt zum Flughafen. Bin ungefähr in einer Stunde zurück.“ Was sie mir aber danach sagte, machte mich mehr als stutzig. „Schau dich ruhig um. Die Schlüssel zur Galerie und dem Büro hängen hier an der Pinnwand. Links ist es ganz heiß und nach rechts wird es immer kälter. Fühl dich wie zu Hause, der Kühlschrank ist voll.“



Sie zeigte immer und immer wieder auf einen Schlüsselbund. Was meinte sie mit, links ist es heiß? Kaum waren die beiden losgefahren, griff ich nach dem Schlüsselbund. In der Galerie hingen einige Afrikafotos von Landschaften und Tieren. Zu meinem Erstaunen waren sie aber nicht von Shanice, sondern von meinem Vater. Ich schloss das Büro auf und entdeckte noch mehr Fotos von meinem Vater in schlichten Holzrahmen. Und eine Wand, voll mit Metallschränken. Shanice Fotos und Negative waren dort archiviert. Ob sie dort Erinnerungen an ihren Trip nach Afrika aufbewahrte? Links hatte sie gesagt... ich fing bei der obersten Schublade an zu suchen. Dann die zweite... dritte... vierte... fünfte... sechste...




In der zehnten Schublade wurde ich fündig. Fotos von Janet und Rick fielen mir als erstes in die Hände. Ich suchte weiter und weiter. Da kein Kopierer weit und breit zu sehen war, beschloss ich die Fotos an Shanice PC zu scannen und sie auf einer CD zu sichern. Ich legte die Fotos wieder zurück, fuhr den PC runter und schloss das Büro wieder zu. Fast, so als ob ich nie hier gewesen wäre. Gerade als ich den Schlüssel zurückgehängt hatte, hörte ich eine Autotür zuklappen. „Bin wieder hier! Lust auf Pasta?“, rief Shanice. „Auf jeden Fall! Auch etwas zu trinken?“ Ich stand am Kühlschrank als Shanice ihre Wohnung betrat. Shanice deutete auf den Schlüsselbund, „hast dich wie zu Hause gefühlt?“ „Ja hab ich. Orange oder Zitrone?“ „Orange, bitte.“ Sie stellte die Einkaufstüte auf den Tisch und packte Spaghetti und eine Tomatensoße im Glas aus. „Weißt ja, mit Kochen hab ich es nicht so.“, wir fingen beide an zu lachen.

#35 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Lidsi 24.03.2009 14:39

Ist ja wieder eine richtig spannende FS geworden. Klasse, macht richtig Spaß weiter zu rätseln.

LG Lidsi

#36 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Musicalkatjes 09.05.2009 19:33

@ Lidsi

Danke dir für die Blumen geht runter wie Öl. Hoffe bleibt auch spannend für dich. Werde mir die größte Mühe geben. Versprochen! dicken

31.



Nach dem Essen bohrte Shanice noch einmal nach, „ Was ist dir unten in der Galerie aufgefallen?“ „Es hängen viele Afrikafotos von Papa. Weiß Mama davon?“ „Nö, braucht sie auch nicht zu wissen. Wäre nur schade, wenn sie in seinem Archiv vergammeln würden. Dann lass ich sie lieber hier hängen und wenn sich ein Käufer findet, ist es für deinen Vater auch nicht schlecht.“ Ich stimmte wortlos zu. „Waren die beiden immer schon so?“, fragte ich und guckte Shanice direkt in die Augen. „Wie meinst du das jetzt?“, zögerte Shanice, wich meinem Blick aber nicht aus.



„Na, Mama und Janet. Waren sie früher auch schon sauer aufeinander? Du hast gesagt, ich soll sie beobachten. Weißt du noch auf der Fahrt zur Modenschau? Du hast gesagt, wir könnten darüber reden.“ „Klar! Das machen wir auch. War mir nur nicht sicher, was du gemeint hast. Was heißt sauer? Sie waren noch nie einer Meinung. Damals schon nicht.“ Brachte mir in dem Moment rein gar nichts. Shanice machte es mir nicht einfach. Vielleicht musste ich die Frage anders stellen. „In wie fern? Ich meine, es musste doch ein spezielles Thema sein, eine bestimmte Situation, eine prägnante Diskussion... oh und bitte sag jetzt nicht, ist bloße Antipathie, das würde ich dir nämlich nicht abkaufen.“ Shanice atmete tief ein, sagte aber nichts. Neuer Versuch! „Okay, ich frag anders. Ging es dabei um Papa und Rick? Hat Janet sich in Papa verguckt? Hassen die beiden sich deshalb? War Rick nur der Notnagel?“



Shanice fing an zu lachen. „Oh nein. Gaaaanz kalt.“ Hatte ich mir aber schon gedacht. Aber jetzt wusste ich jedenfalls einigermaßen, wie ich fragen musste. „Dann gibt’s eigentlich nur noch eins... Afrika. Die beiden hatten schon immer unterschiedliche Meinungen zu Afrika. Ist es das?“ „Heiß! Ich verbrenne hier gleich.“ Bingo, eigentlich wusste ich das ja auch schon. „Ist Janet nicht in Afrika geboren? Ist sie, wie Rick nach Afrika gezogen?“ „Brr, kaaalt!“ „Also, ist sie in Afrika geboren und aufgewachsen?“ „Hot!“ “Zwei unterschiedliche Lebensläufe und Lebensweisen. Ist es DAS, warum sie immer unterschiedlicher Meinung sind?“ „Ich merke schon, du willst mich hier lebendig braten.“ „Aber das kann nicht alles sein. Was für eine Position hat Papa in dem Spiel? Muss eine Entscheidende sein, wenn Janet immer wieder darauf rumhackt, dass Mama ihm etwas kaputt gemacht hat.“ „Lauwarm. Ich würde weiter drüber nachdenken. Aber du hast mich jetzt soo gegrillt, ich brauche erst mal ein Bad. Wenn ich du wäre, würde ich mir im Schlafzimmer mit dem Inhalt der Stofftruhe die Zeit vertreiben. Könntest aber auch so lange fernsehen.“ Das war wieder einer ihrer Hinweise. Da war bestimmt was in der Truhe. Ich fand es fantastisch, wie sie ihr Versprechen umschiffte, denn im Prinzip hatte sie ja nichts ausgequatscht.



In der Kiste fand ich weitere Landschaftsfotos von Afrika. Darunter lag ein Entwurf von einem Vorwort:

Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
- Sprichwort der Ovambo –



Wir haben uns aufgemacht unseren Traum zu verwirklichen. Die wundervollen Augenblicke eines Kontinents mit unseren Kameras einzufangen und für immer festzuhalten. Wir danken Rick und Janet für ihre Gastfreundschaft. Einen besonderen Dank aber dir, Jochen. Ohne dich wäre es nie möglich gewesen, den Bildband herauszubringen. Wir freuen uns mit dir weitere Projekte ins Leben zu rufen.

Einen Bildband über Afrika. Das war es also. Mein Vater und Shanice wollten ein Buch mit ihren Fotos drucken lassen. Wer aber war dieser Jochen? Was für eine Rolle spielte er dabei? Ich suchte weiter und fand ein altes Notizbuch. Dort standen zwei Telefonnummern von Jochen. Eine Privatnummer und seine Dienstnummer. Er arbeitete damals bei einem Verlag. Ich schrieb mir beide ab. Vielleicht war er dort immer noch beschäftigt. Das Buch ist nämlich nie erschienen, das wusste ich von einem Brief weiter unten in der Kiste. „...bedauern wir, dass unsere Zusammenarbeit so plötzlich beendet wurde. Sollten Sie doch noch Ihre Entscheidung ändern, würden wir uns freuen...“ Warum erschien es nie? Ich packte alles wieder zusammen und schloss den Deckel der Truhe.
Sie waren damals zu Besuch bei Janet und Rick, um die Fotos für das Buch zu machen. Was passierte in Afrika? Warum gaben sie das ganze Projekt auf? Ich zog mir meinen Pyjama an und machte es mir auf Shanice Couch gemütlich.




Es dauerte nicht lange, da kam auch Shanice aus dem Bad. Sie setzte sich dazu, „Na, Truhe oder fernsehen?“ „Truhe!“ „Viel altes Zeug drin. Was man alles so aufhebt...“ „Ihr wolltet einen Fotobildband machen. Deshalb habt ihr die beiden in Afrika besucht?!“ „Heiß.“ „Aber man konnte es nie kaufen.“ „Heiß“ „Wer hat das entschieden? Ihr beide zusammen?“ „Kalt“ „Nur Papa?“ „Lauwarm und wenn du rausbekommst, was das „Lau“ ist, wird aus Warm wieder Heiß.“ Sie gab mir einen Kuss auf die Stirn „Wir sollten schlafen gehen, genug fürs Erste.“ Ich musste unbedingt herausfinden, was damals vorgefallen war. Ich kuschelte mich in die Decke und nahm mir fest vor, gleich morgen Früh Jochen anzurufen.

#37 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Musicalkatjes 09.05.2009 19:38

Fortsetzung 31.

Ich stand vor Shanice auf. Auf dem Balkon schien schon herrlich die Sonne. Ich hielt den Zettel mit den zwei Telefonnummern in der Hand. Wie alt waren sie wohl? Würde ich ihn noch darüber erreichen? Ich versuchte als erstes die Dienstnummer... Freizeichen ... mein Herz klopfte bis zum Hals.
„Verlag Sonnenthal, Sie sprechen mit Susanne Kohlmann.“
„Kunami Evans. Ich habe da mal eine ganz eigenartige Frage. Ich bin auf der Suche nach einem Mitarbeiter von Ihnen. Der hat Ihren Posten vor einigen Jahren gehabt. Leider habe ich nur seinen Vornamen. Vielleicht können Sie mir sagen, ob er noch in Ihrem Verlag arbeitet.“
„Wirklich eine seltsame Frage. Wie hieß der Mitarbeiter denn?“
„Jochen.“
„Ich hab da so eine Ahnung, um wen es sich drehen könnte. Ich stell Sie einfach mal direkt zu ihm durch. Ob es allerdings derjenige ist, den Sie meinen, weiß ich aber nicht.“
„Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen.“
Ich wurde durchgestellt. Es dauerte ein bisschen doch dann...
„Jochen Kaiser, was kann ich für Sie tun?“
„Ich hoffe, dass ich bei Ihnen richtig bin. Kunami Evans. Kennen Sie meinen Vater Bryan Evans?“
„Ja, ich kenne ihn. Ist etwas mit ihm passiert?“
„Nein, keine Sorge, ihm geht es gut.“
Mir fielen Felsbrocken vom Herzen, ich hatte den richtigen Jochen erwischt.
„Worum geht es denn? Sie machen mich neugierig.“
„Das ganze ist etwas kompliziert und ich würde Sie gerne einmal treffen.“
„Das ganze klingt ja ziemlich spannend. Wie wäre es heute um 12 Uhr im Verlag? Da könnte ich Sie zwischenschieben.“
„Gerne. Können Sie mir einmal die Adresse durchgeben?“
„Töpfergasse 21. Wissen Sie, wo das ist?“
„Ja, ich kenne die Straße. Danke, für den schnellen Termin.“
„ Zweite Etage. Zimmer 43. Ich bin einfach nur neugierig, um was es sich dreht.“
Sofort im Anschluss an das Gespräch rief ich bei Karina an. Ich hoffte, dass sie mit mir kommen würde. Besser wir waren zu zweit, denn ich wollte nichts vergessen und verpatzen. Vielleicht bekam ich nur diese eine Chance. Ohne zu zögern, sagte Karina zu und wir trafen uns um 11.30 Uhr in der Töpfergasse. Ich erzählte ihr kurz von meinen neusten Informationen. Wir gingen auf das Verlagsgebäude zu. „Verstehst du jetzt warum ich ihn sofort treffen muss?“ „Klar! Aber was genau willst du ihn fragen? Guten Tag! Ich bin Kunami und meine Eltern belügen mich grad nach Strich und Faden. Haben Sie dafür eine Erklärung?“ „So ungefähr, aber nicht grad so plump. Ich will von ihm wissen, warum der verflixte Bildband nicht gedruckt wurde.“ „Meinst du, der weiß das nach so vielen Jahren noch?“ Ich blieb stehen. „Ja genau, das denke ich. Er wusste sofort, wer mein Vater ist. Und ich denke, dass er sich todsicher daran erinnern wird.“ „Okay, okay! Dann entern wir den Schuppen.“
Was ich nicht wusste war, dass mich die Wegbeschreibung von Herrn Kaiser direkt in die Chefetage führte. Und was ich schon mal gar nicht dachte war, dass mich gleich ein riesiger Vorzimmerdrache empfangen würde.



„Kann ich helfen?“ Sie betrachtete Karina und mich von oben bis unten. Ein blonder Vorzimmerdrache guckte über den Tresen
„Kunami Evans. Ich habe einen Termin um 12 Uhr bei Herrn Kaiser.“, antwortete ich und dachte ernsthaft, dass ich nun schnell im Zimmer 42 landen würde. Stattdessen wälzte der Drache naserümpfend einen Terminkalender und schaute auch im PC nach. „Tut mir leid, ich kann nichts darüber finden. Herr Kaiser hat jetzt zur Zeit der Buchmesse viele Termine. Aber einer mit Ihnen ist nicht vermerkt.“ Ich dachte, ich bin im falschen Film. Ich hatte doch mit ihm telefoniert. „Dann rufen Sie ihn bitte kurz an. Er wird Ihnen bestätigen, dass wir einen Termin vereinbart haben.“ „Tut mir leid, ich habe Anweisungen ihn nicht zwischen den Terminen zu stören.“ Das durfte doch alles nicht wahr sein. Ich wollte einen weiteren Versuch starten den Vorzimmerdrachen dazu zu bewegen doch zum Telefon zu greifen. Doch plötzlich öffnete sich eine Tür und ein Mann mit Vollbart und Brille kam heraus und steuerte gleich auf uns zu.



„Ist schon in Ordnung, Kristina. Ich hab vergessen Ihnen den neuen Termin mitzuteilen.“ Ha und schwups nahm er ihr den Wind aus den Segeln. Das also war Jochen...
Er bat uns in sein Büro. Überall Regale mit Büchern, Tische mit Bücherstapeln und sie machten nicht mal vor dem Schreibtisch halt. Definitiv ein Paradies für meinen Opa. Wir setzten uns in die einzig bücherfreie Sesselecke des Raumes. „Also? Ich platze bald vor Neugierde.“
„Klingt gleich bestimmt eigenartig.“, versuchte ich einen Anfang zu finden.
„Bin ganz Ohr. Es geht um Bryan?“
„Ja, es geht um meinen Vater. Er wollte vor Jahren hier mit seiner Schwester einen Bildband veröffentlichen. Er hat Sie sogar in seinem Vorwort erwähnt. Was ist damals passiert? Warum wurde daraus nichts?“
Jochen saß da und sagte kein Wort. Er sah mich nur an. Lange, viel zu lange nach meinem Geschmack. Ich wurde langsam nervös. Doch dann kam plötzlich wieder Leben in ihn. „Warum fragst du das nicht deinen Vater selbst?“
„Weil es leider nicht geht. Das heißt es geht schon, aber er würde mir nicht antworten. Bitte, seit Wochen renne ich wie eine Wilde herum und versuche herauszufinden, was meine Eltern vor mir verheimlichen. Warum meine Tante und meine Mutter sich ständig streiten. Und wenn das Buch hier der Schlüssel zu allen Streitigkeiten ist, dann bitte helfen Sie mir.“ Schweigen lag wieder im Raum.
„Also gut. Dein Vater hatte immer schon einen Dickkopf. Schon in unserer Schulzeit.“
„Sie kennen ihn schon so lange?“, fragte Karina erstaunt.“ Und warum haben Sie jetzt keinen Kontakt mehr?“
„Langsam. Alles der Reihe nach.“
Von meinem Herzen fiel ein dicker Felsbrocken. Kam ich dem Rätsel jetzt auf die Spur? Oder endete das ganze wieder in einer Sackgasse?



„Wir haben zusammen die Schulzeit verbracht, waren auch in einer Klasse durften aber nie zusammen eine Schulbank teilen. Die Lehrer haben uns immer auseinander gesetzt. Haben immer viel zu viel geschnattert. Wie das so ist, nach der Schule dann die Ausbildung. Wir haben uns zwar noch getroffen, aber nicht mehr so häufig. Er fing an zu fotografieren und als ich die Fotos sah, wusste ich gleich, was für ein Talent er hatte. Als Freunde unterstützt man sich und ich ermunterte ihn einige Bilder hier im Verlag einzureichen. Damals noch als Postkarten oder Kalenderblätter. Meine Kollegen haben einige seiner Fotos auch tatsächlich gedruckt. Ich hatte hier noch nicht viel zu sagen und einen kleinen Posten in der Kundenbetreuung. Shanice wurde mit ihrer Ausbildung ein Jahr später fertig und es wurde bald klar, dass die beiden ein super Team waren. Inspiriert von Erzählungen und Bildern von Rick über Afrika fingen die beiden an Pläne zu schmieden. Sie wollten gemeinsam hin und noch nie festgehaltene Eindrücke knipsen. Nur was dann? Sie wollten auf keinen Fall die Bilder als Kalenderblätter veröffentlichen. Aber einen Auftrag für ein Fotobuch für dieses Thema war nirgends ausgeschrieben. Ich fing an meinem Chef von den beiden zu erzählen. Oh Mann, was hab ich nicht alles ausprobiert. Ich hab dem bestimmt irre viele Nerven gekillt. Bis er endlich nachgegeben hatte. Er lud Shanice und Bryan ein und zwei Tage später hatten sie einen Vertrag. Der Flug wurde bezahlt, eine super Gage sprang für die beiden raus, die Materialkosten übernahm auch der Verlag und bekam die Zusicherung, dass das Fotobuch zu erst in diesem Verlag veröffentlicht würde. Die zwei sind auch losgeflogen. Die Fotos waren im Prinzip auch fertig.“



„Wie im Prinzip?“, fragte Karina
„Was passierte dann?“, hakte ich nach.
„Dann passierte etwas, was ich mir bis heute nicht erklären kann. Bryan kam zwei Tage nach der Reise zu mir. Er sah ziemlich erledigt aus. Er bat mich, ihn aus dem Vertrag zu boxen. Ich verstand es nicht, ich hatte mir ja größte Mühe gegeben, dass ich ihm den Auftrag beschaffen konnte. Er sagte, er habe jetzt eine große Verantwortung zu übernehmen. Er dürfte auf keinen Fall mit seinen Fotos bekannt werden.“
„Wie ging es dann weiter? Hat er erzählt warum?“, Karina bohrte weiter nach.
„Ich hab versucht, ihn so gut es ging rauszuboxen. War nicht einfach! Flug und Material musste er auch zurückzahlen. Seitdem hat er nie wieder etwas veröffentlichen lassen. Er hat sich damals eine Dunkelkammer und ein Büro im Haus seines Vaters eingerichtet und lebte von Kleinaufträgen.“
„Aber warum? Ich verstehe es immer noch nicht. Wenn Sie so gut befreundet waren, dann hat er Ihnen doch mehr erzählt.“ Karina gab nicht auf. Und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass Jochen nicht doch mehr wusste.
„Ich weiß nur, dass er deine Mutter abgöttisch liebt. Sie aber damals sehr krank war. Er wollte sie nicht alleine lassen.“
„Und warum brach der Kontakt zwischen Ihnen und meinem Vater ab?“
„Weil wir uns furchtbar zerstritten haben. Ich habe nicht einsehen wollen, dass er seine großen beruflichen Chancen in den Wind schießt. Ich habe damals nicht erkannt, dass der Weg, den ich mir für ihn gewünscht habe, nicht sein Weg war. Jetzt weiß ich es. Aber es ist zu spät.“
„Es ist nie zu spät. Nicht, wenn man sich so nahe stand. Hier ist die Telefonnummer von meinem Vater. Probieren Sie es einfach noch mal. Aber kein Wort von unserem Gespräch hier bitte, sonst bin ich tot.
„Versprochen.“

#38 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Lidsi 09.05.2009 21:25

Fein, langsam kommt also ein wenig Licht ins Dunkel. War schon eine gute Idee, die Nacht bei Shanice zu verbringen.

Und interessant, wie Shanice immer "versteckte" Hinweise gibt, wo Kunami als nächstes ansetzen soll.

Das Gespräch mit Jochen hat zwar noch nicht alles aufgeklärt, aber man ist schon auf dem richtigen Weg.

Ich hoffe, er meldet sich bei seinem Jugendfreund, denn es ist immer sehr traurig, wenn Freundschaften wegen diverser Meinungsverschiedenheiten auseinander gehen.

Schön, es bleibt also weiterhin spannend. Freu mich schon sehr auf deine nächste FS!



GLG Lidsi

#39 RE: Fotostory - Die Wahrheit ist schwarzweiß von Musicalkatjes 12.07.2009 00:48

@ Lidsi: Besser langsam als nie *zwinker* bin gespannt wie du den nächsten Teil findest.

Habe Euch alle viel zu lange warten lassen, aber ich hoffe es hat sich gelohnt. Meine Betaleserin *Kuss zuwerf* wird zwar nicht begeistert sein. Habe mich entschlossen den Teil einfach so reinzustellen. Sie soll die Zeit mit ihrem Besuch genießen und sich nicht mit meinen das/dass und sonstigen Rechtschreibkatastrophen abmühen. Wünsche ihr von hier aus eine superschöne Zeit *knuddel* ich denke Ihr werdet es ein/zwei Mal überleben.

So, jetzt aber los! Hier ist Teil 32.

32.

Karina und ich gingen nach dem Gespräch mit Jochen in unsere Lieblingseisdiele. Ich hatte Bärenhunger auf einen riesigen Frusteisbecher. Wir ließen uns mit einem großen Seufzer auf die Stühle fallen. „Und was jetzt?“ Karina guckte mich mit ihren großen blauen Augen an. „Was und jetzt? Jetzt bestelle ich mir das größte Eis auf der Karte und platze hoffentlich." Sagte ich leicht gereizt und mein Sarkasmus sprühte schon Funken. Mein Blick schweifte durch die Eisdiele. Als ich die Bedienung entdeckte winkte ich ihr zu, atmete tief durch und sah Karina wieder direkt in die Augen. „Tut mir leid. Ich weiß grad nicht wohin mit mir.“



„Schon gut. Aber ich mache den Dreck nicht weg, wenn du platzt.“ Wir mussten beide kurz lächeln. ,„Was um Himmels Willen bringt die besten Freunde dazu ihre Freundschaft über Bord zu schmeißen? Karina, was würde dich so fuchsen, dass du mit mir nix mehr zu tun haben willst? Kann doch nicht so ein bescheuerter Vertrag sein?“ „Frag mich doch nicht so was bescheuertes...“ Karina sah mich entsetzt an.
„ Guten Tag. Was möchten Sie bestellen?“ „Zwei Luna Becher bitte.“ „Kunami, ich habe nicht genug Geld mit.“ „Aber ich keine Sorge, ich lade dich heute ein.“ Ich wiederholte meine Bestellung und lächelte Karina zu. „Ich danke dir Karina.“ „Wofür? Das du jetzt die dicke Eisrechnung bekommst?“ Ein Schmunzeln lag auf Karinas Lippen. „Das weißt du doch genau. Wollte einfach nur mal danke sagen.“ Karina begann zu strahlen und es tat mir gut sie so zu sehen. Auf einmal öffnete sie weit ihre Augen lachte laut auf und guckte mich frech an.



„Und du bist Schuld, wenn ich nachher Bauchweh vom vielen Eis bekomme.“ Diesmal musste ich schmunzeln. „Aber mal ehrlich, was hältst du von dem ganzen?“ „Konzentriere dich lieber mehr auf deine Familie. Ich denke da erfährst du mehr.“ Die Eisbecher wurden serviert. „Aber wie? Ist alles so schwer. Vielleicht sollte ich aufgeben.“ Karina steckte sich einen Löffel voll Mangoeis in den Mund und tippte sich gleichzeitig mit dem Zeigefinger der anderen Hand an die Schläfe. Sie sah mich nur an und löffelte ihr Eis weiter. „Hast ja Recht.“, sagte ich leise. Karina brummte zustimmend und schob sich einen Löffel Zitroneneis in den Mund. Ich griff nach meinem Eislöffel und machte mich über meinen Becher her. Nach dem Eis trennten sich unsere Wege. Karina traf sich mit Fabian und auf mich wartete Familie Horror schon zu Hause.



„Bin wieder da!“, rief ich beim Schließen der Haustür durch den Flur. „Sind hier!“ rief Rick aus dem Wohnzimmer. Als ich durch die Tür kam strahlte mich mein Opa vom Sofa aus an. „Na wie war es bei Shanice?“ „Herrlich!“, strahlte ich zurück. Und ich konnte es mir nicht verkneifen hinzuzufügen wie ruhig es doch dort gewesen ist. Als ich mich gerade auf mein Zimmer zurückziehen wollte hörte ich schon den nächsten Streit auf mich zurollen. Jemand schmiss extrem laut eine Autotür zu, dann folgte lautstark eine zweite. Meine Mutter und mein Vater näherten sich laut streitend der Haustür. Ich blieb wie angewurzelt im Flur stehen. „Warum glaubst du mir nicht?“ Die Haustür wurde aufgeschlossen und mit Schwung aufgestoßen. Meine Mutter raste in den Flur und drehte sich gleich mit rasender Geschwindigkeit wieder zur offenen Tür um.




„Warum glaubst du mir nicht?“ Wiederholte sie ihre Frage und versperrte meinem Vater den Weg ins Haus. „Weil es unmöglich ist.“, sagte mein Vater ruhig, denn er hatte mich entdeckt. Meine Mutter hatte in aller Aufregung nicht gemerkt das ich im Flur stand. „Ich habe es doch gesehen.“, setzte meine Mutter neu an. Mein Vater schüttelte nur den Kopf. „Du hast dich geirrt, glaub mir doch endlich.“ Fassungslos über Papas Worte verwand sie ins Schlafzimmer. Eine Antwort was im Supermarkt vorgefallen war bekam ich jedoch nicht. Alle Einkäufe blieben im Auto. Es waren die Sachen für meine Geburtstagsfeier im Kleingarten.
Nach einem langen Spaziergang mit Antaris fing mich mein Opa im Hausflur ab. „Komm mit in den Garten.“




Erstaunt trottete ich hinter ihm her. Viel Lust zu einem Schwätzchen über Gartenpflanzen hatte ich nicht. Doch wie so oft kam alles anders als zuvor gedacht. Wir setzten uns auf die Terrasse. Mein Opa ließ sich auf einem Gartenstuhl nieder. „Kunami setze dich bitte in die Sonnenliege und schließe die Augen. Ich möchte dir etwas erzählen über Rick und Janet. Sollte aber einer der Familie uns zu nah kommen lese ich dir eine Phantasiereise vor. Höre einfach nur zu.“ Also wechselte ich von der Gartenbank auf die Sonnenliege und schloss meine Augen.




„Alles begann damit, das Ricks Firma sich an einem großen Hilfsprojekt beteiligte. Das war vor 15 Jahren. Sie baten ihn für 5 Monate nach Afrika zu gehen um den Arbeitern die Bedienung, Wartung und Reparaturen der gespendeten Maschinen zu erklären. Für Rick war es eine Herausforderung und euphorisch nahm er den Auftrag an. Er hatte die Maschinen mit entwickelt und kannte sie in und auswendig. Es gestaltete sich aber schwieriger als gedacht. Die meisten hatten noch nie zuvor an Maschinen der Größe gearbeitet. Er lernte Land und Leute kennen und traf eines Tages auf Janet. Ihr Vater hatte eine große Farm in der Nähe der Fabrik. Lange Rede kurzer Sinn sie verliebten sich ineinander. Es gab kein Telefonat oder Brief in dem Rick nicht von ihr schwärmte.




Nach den 5 Monaten kam er nach Hause und wir redeten lange über seine Zeit in Afrika. Er redete förmlich um den heißen Brei. Ich wusste längst das er zurückfliegen würde. Er hatte sich nicht nur in Janet verliebt, sondern auch in Afrika. Also ließ ich ihn ziehen. Dein Vater nahm es nicht so locker. Er hing sehr an seinem Bruder. Es dauerte eine ganze Weile, bis er damit klar kam. Er war so bockig und versuchte bis zum Schluss Rick am fliegen zu hindern. Shanice fand es gut und freute sich tierisch für Rick und Janet.
Zuerst lebten die beiden auf der Farm ihres Vaters. Nach der Hochzeit beschlossen sie aber eine eigene Farm zu kaufen. Die Farm mit Namen Monifa hatte ein kleines Häuschen aus Stein. Dicht daneben einen kleinen Stall aus Holz. Rick und Janets Traum mit einigen Hühnern, Pferden, Kühen, Ziegen und einem Hund. Ein bisschen Land drum herum als Weide und Ackerfläche. Sie waren so stolz und warteten gespannt, wann wir das erste mal zu Besuch kommen würden. Deine Oma, Shanice und ich sind zur Hochzeit hingeflogen. Dein Vater steckte mitten in den Prüfungen und konnte nicht mit. Dann bekam deine Oma den starken Schlaganfall und es war unmöglich nach Afrika zu fliegen. Rick kam vor ihrem Tod noch zwei mal aus Afrika zu Besuch.




Fühlst du wie die Wärme durch deine Arme fließt?...“ Irgendjemand kam meinem Opa jetzt in die Quere. Ich hätte zu gern gewusst wer sich uns näherte. Aber Opas Plan schien aufzugehen. Er setzte seine Geschichte bald fort. „ Er brachte zwar Fotos mit, aber sie hätte es doch gern selbst gesehen. Wir sind dann zu dritt hingeflogen und auch Shanice und deinen Vater hat Afrika in seinen Bann gezogen. Sie konnten sich beide nicht an der Landschaft satt sehen. Aber wie das ist, wenn man wieder zu Hause ist hat einen der Alltag schnell wieder im Griff. Shanice war mit ihrer Ausbildung beschäftigt und dein Vater machte seinen Job als Fotograph in einem kleinen Fotoladen in der Stadt. Nebenbei verdiente er sich durch Postkartenmotive und Kalendermotive bei einem Verlag etwas extra dazu. Als Shanice mit ihrer Ausbildung fertig war hatten sie eine riesige Chance bekommen. Für den Verlag, wo dein Vater kleinere Fotoaufträge gemacht hatte, Afrikafotos für einen Bildband zu schießen. Also, was lag näher als diesen Auftrag mit einem Besuch bei Rick und Janet zu verknüpfen. Leider lief nicht alles so wie es laufen sollte. Und die Tragödie nahm seinen Lauf...“ Weiter kam er leider nicht, denn mein Vater rief uns zum Abendbrot. Was meinte er mit Tragödie? Ich hoffte, dass ich mit meinem Opa später noch einmal allein reden konnte. Doch leider kam immer wieder etwas dazwischen. Ich war so dicht dran gewesen.

Ich ging vor dem Schlafen in die Badewanne und rief mir die Erzählungen meines Opas noch einmal ins Gedächtnis. Versuchte Puzzelstücke zusammenzufügen und ertränkte viele Versuche gleich wieder im Badewasser. Es dauerte, bis ich einschlafen konnte.





Mitten in der Nacht wurde ich von einem Schrei geweckt. Ich glaube so schnell war ich noch nie aufgestanden. Als ich in den Flur kam stand meine Mutter wie angewurzelt am Fenster und guckte stur in eine Richtung. Den Mund immer noch aufgerissen vom Schrei, aber kein Ton drang mehr aus ihrer Kehle. Die blanke Angst konnte ich in ihren Augen sehen. Doch bevor ich erkennen konnte was ihr solche Angst machte, verdeckten mein Vater und mein Opa meine Sicht durchs Fenster. Janet und Rick waren auch im Flur. „Hadiya, was ist passiert?“ Mein Opa nahm sie in den Arm und alle schauten sie mit fragenden Blicken an. Sie deutete aus dem Fenster. „Er ist da!“ Dann ging alles so rasant schnell. Mein Opa nahm meine Mutter fester in den Arm. Mein Vater und Rick schauten sich kurz an und rannten wie angestochen und wie von einem wilden Affen gebissen die Treppe hinunter.





Wer auch immer vor unserem Haus war hatte die Unruhe bemerkt und rannte los. Mein Vater blockierte ja nun nicht mehr meine Sicht und ich sah einen Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite losrennen. Bald darauf meinen Onkel und meinen Vater, die hinter ihm her rannten. Er war dunkelhäutig und ich vermutete, dass sie ihn von ihrer Afrikareise kannten. Meine Mutter fing an zu zittern. Keiner sprach ein Wort. Es war nur das leise weinen meiner Mutter zu hören.

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